Besseres Klima für Bremen

von Michael Conrath

Bremen SunriseDas Klima ist derzeit in aller Munde. Das Klima, das Klima, Klimabefürworter und Klimaskeptiker, Klimagläubige und Klimaleugner, Grüne gegen AfD, angeblicher wissenschaftlicher Konsens, Fridays for Future, Climate Justice, Greta Thunberg, Kohlendioxid – und bald eine Kohlendioxid-Steuer, zum Wohle des Klimas natürlich. Um den Weltuntergang in letzter Sekunde zu verhindern, der kurz bevor zu stehen scheint. Dass solche medial aufgepeitschte und uninformierte Hysterie hilfreich ist, darf getrost bezweifelt werden. Doch es gibt auch so genug vernünftige Gründe, über die Basis unserer Existenz nachzudenken, nachhaltiger und weniger destruktiv zu leben, eine höhere Lebensqualität für uns alle anzustreben. Das bedingungslose Grundeinkommen, dessen Einführung unser Kernthema ist, ist darin ein wichtiger Baustein. Aber selbst bedingungsloses Geld kann man nicht essen, der Rahmen für ein BGE muss auch stimmen. Zu diesem Rahmen gehört eine gesunde, lebenswerte Umwelt. Und da das Grundeinkommen im wesentlichen allen ein würdiges Grund-Auskommen sichern soll, lohnt es auch über die Bereitstellung der lebensnotwendigen Dinge nachzudenken, die zu diesem Auskommen beitragen – und für die man heute Geld ausgeben muss. Wie ich hier darlegen möchte, ist das Klima-Thema deshalb auch verbunden mit bedingungsloser Verkehrsnutzung, Wärme und Lebensmitteln. Das alles hat mit Energie zu tun, mit der auch Bremen noch verschwenderisch umgeht, und der Löwenanteil dieser Energie stammt auch in Bremen nicht aus erneuerbaren Quellen. Was könnte also Bremen tun, um die Energiewende zu unterstützen und weniger fossile Energieträger zu verbrauchen? Welche Gedanken und Ansätze gibt es dazu im Bündnis Grundeinkommen?
MC-Klima2Zunächst einmal kann man feststellen, dass es in Bremen weder Erdöl noch Erdgas noch Kohle gibt, sodass all diese Energieträger von außen eingeführt und bezahlt werden müssen. Das bedeutet auch, dass Jahr für Jahr viel Geld aus Bremen abfließt, dessen Verbleib in Bremen eigentlich besser wäre. Holz und Torf sind nur in äußerst geringen Mengen vorhanden und spielen keine Rolle. Atomstrom möchte aus gutem Grund niemand mehr haben – außerdem gibt es auch kein Uran in Bremen – also bleibt nur die Umstellung auf erneuerbare Energien, um diesen Missstand zu beseitigen. Denn die Sonne scheint auch auf Bremen, der Wind weht auch über Bremen, und in der Tiefe ist es auch unter Bremen heiß.

Neben der Umstellung auf erneuerbare Energieträger ist es sinnvoll, den Verbrauch an Energie systematisch zu senken, denn dann reduziert sich auch die Menge an Energie, die regenerativ bereit gestellt werden muss, und entsprechend leichter fällt die Umstellung. Aber wo soll man denn in Bremen Energie einsparen, wie soll das gehen? Dazu hier ein paar Ideen.

Ein erstes großes Einsparpotenzial bietet der öffentliche Personennahverkehr. Solange es weniger Geld kostet, mit dem eigenen Auto innerhalb Bremens von A nach B zu fahren, werden die meisten Leute auch das eigene Auto benutzen. Wünschenswert wäre deshalb, dass alle Einwohner und Besucher Bremens kostenlos mit Bus und Bahn in der Stadt fahren könnten und bestenfalls auch zwischen den Städten. Das würde Millionen und Abermillionen an Fahrtkilometern mit unzähligen Autos einsparen. Nicht nur der Verbrauch der Bremer und Bremens an Diesel und Benzin ginge so zurück, sondern die Straßen würden sich auch merklich leeren. Das bedeutete auch weniger Lärmbelästigung, Luftverschmutzung und Schadstoffbelastung, und folglich höhere Lebensqualität in Bremen. Vorstöße dieser Art gab es in Deutschland schon mehrere: in Templin und Lübben (Brandenburg) wurde das Konzept schon vor etwa 20 Jahren ausprobiert – und musste irgendwann doch aus Kostengründen beendet werden. Seither ist der dortige Nahverkehr zumindest noch sehr preiswert. Aktuelle Umsetzungen der Idee gibt es in Monheim am Rhein (Nordrhein-Westfalen) sowie Pfaffenhofen und Augsburg (beide Bayern). In Bremen wurde die Idee auch schon aufgeworfen. Und natürlich würde die Mehrzahl der Bremer gern kostenfrei durch die eigene Stadt fahren. Ebenso natürlich ist aber auch die noch unbeantwortete Frage wie das finanziell gehen soll, denn ohne Finanzierungskonzept kann die Idee nicht umgesetzt werden. Mir scheint es naheliegend, den kostenlosen ÖPNV durch eine neue Position bei den Wohnnebenkosten zu finanzieren. So wie man in Bremen in jeder Wohnung auch Nebenkosten für andere zentral organisierte Aufwendungen wie Trinkwasserbereitstellung, Abwasserbehandlung, Abfallentsorgung, Straßenreinigung, oder die Erhaltung der Deiche abführen muss, gäbe es dann eben noch eine weitere Position um den öffentlichen Personennahverkehr zu finanzieren. Durch diese direkte Umlage-Beteiligung jedes Bremer Einwohners entstünde auch ein weiterer Anreiz, das eigene Auto stehen zu lassen – oder gar nicht erst anzuschaffen – und lieber Bus und Bahn zu nutzen. MC-Klima1
Die Fahrzeug-Flotte des ÖPNV kann auch wesentlich leichter auf emissionsfreie Elektro- oder Hybridantriebe umgestellt werden als private Fahrzeuge, was für die Straßenbahn sogar schon realisiert ist. Freie Fahrt für alle Menschen in Bremen würde nicht zuletzt die gesellschaftliche Teilhabe für alle Bremer erleichtern und damit eine Grundforderung des bedingungslosen Grundeinkommens als geldwerte Leistung unterstützen.

Ein zweites großes Einsparpotenzial liegt im Versorgungsverkehr bzw. in der Versorgung der Bremer mit Waren des täglichen Bedarfes, vor allem Lebensmittel. Viele mögen es für normal halten, weil sie es nie anders kannten oder noch nie darüber nachgedacht haben. Dennoch ist es eine im Grunde verstörende Beobachtung, die man in praktisch jedem Bremer Supermarkt machen kann: Nahezu null Prozent der Lebensmittel, auf die die Bremer täglich angewiesen sind, stammen aus Bremen! Schaut man nach der Herkunft von Obst, Gemüse, Getreidesorten, Nüssen etc. – also den primären Lebensmitteln – kann man eine kulinarische Weltreise über alle Kontinente machen, aber schon aus Deutschland stammen die wenigsten Lebensmittel, aus der Region noch weniger, aus Bremen praktisch gar nichts. Schokolade (Hachez), Mehl (Rolandmühle), Bier (Becks), Kaffee (Jacobs), oder Tierfutter (Vitakraft) ändern daran nichts, weil auch sie nicht auf primären Bremer Erzeugnissen basieren, sondern diese einführen müssen.
Doch jede Mahlzeit, die nicht primär aus Bremen stammt, muss von außerhalb eingeführt und bezahlt werden und sorgt so für einen Geldabfluss aus Bremen sowie höheres Verkehrsaufkommen. Jahr für Jahr gibt Bremen auf diese Weise Unsummen für Lebensmittel aus, die ebenso gut in Bremen angebaut und erzeugt werden könnten. Schätzt man grob die mittlere Erzeuger-Entfernung der Lebensmittel in den Bremer Märkten, kommt man sicherlich auf 1000 Kilometer. Über diese enorme Distanz wird das Essen der Bremer also im geschätzten Mittel heran transportiert. Was für ein Wahnsinn! Jede einzelne Mahlzeit und erst recht jede LKW-Ladung, die aus nur 10 Kilometern Entfernung, also der direkten Umgebung Bremens kommt, würde da einen Unterschied machen.
Wäre es also nicht sinnvoll, eine wachsende Menge an Nahrungsmittel in Bremen anzubauen und zu ernten?
Der erste Einwand ist meist, dass doch in Bremen gar kein Platz dafür sei. Aber es gibt zum Beispiel das Blockland, eine viele Quadratkilometer große Brache. Außerdem zahlreiche Kleingartenanlagen. Und selbst mitten in der Stadt lassen sich Plätze und Möglichkeiten finden, Stichwort ‚Urban Gardening‘. Wegen der trotzdem nicht zu leugnenden Platzknappheit sollte klar die ertragreichste Anbauform pro Fläche favorisiert werden. Und das ist nicht etwa ein Maisfeld oder Kartoffeln oder Weizen, sondern es ist die mehrgeschossige Permakultur. Darunter versteht man eine bunt mit vielen Arten gemischte Fläche, wobei Obst- und Gemüsesorten, Blumen, Kräuter, Sträucher und Bäume sich gegenseitig unterstützen und ergänzen und zeitlich so aufeinander folgen, dass es monatelang ständig etwas zu ernten gibt. Und das auf mehreren Ebenen, das heißt im Boden, auf dem Boden, an Sträuchern und an Bäumen. Eine solche Permakultur-Anlage muss über viele Jahre aufgebaut werden und wachsen und kann nicht mal eben aus dem Boden gestampft werden. Die Idee ist, eine aus sich selbst heraus nachhaltig fruchtbare Gartenlandschaft anzulegen. Ohne Einsatz von Gift in Form von Herbiziden, Pestiziden, Fungiziden oder ähnlichem. Traktoren nützen dort nichts, sondern es sind vor allem Handarbeit und grüne Daumen, die hier gefragt sind. Die im Lauf der Jahre entstehende biologische Artenvielfalt solcher Permakulturstätten ist kaum zu übertreffen, was man gerade in Verbindung mit dem dauerhaften Ertrag an gesunden Lebensmitteln auch als wahren Reichtum bezeichnen könnte.
Anstatt das Geld außerhalb Bremens für Lebensmittel auszugeben, sollten wir also versuchen, innerhalb Bremens solche Betätigungsfelder zu schaffen, die letztlich allen Bremern nützen. Denn damit sänke das Ausmaß an Versorgungsverkehr. Die Sicherheit und Qualität der Versorgung stiege. Weniger Bremer müssten zu Arbeitsstellen außerhalb Bremens pendeln, sodass auch der Pendlerverkehr abnähme. Bremen würde verkehrsberuhigter und entschleunigt, grüner und gesünder.
Es sei auch erwähnt, dass die Wirtschaft Bremens im primären (also dem erzeugenden) Sektor insgesamt völlig unterentwickelt ist, in diesem Bereich also auch ein großes Potenzial für die Schaffung sinnvoller Betätigungsfelder liegt. Neben Lebensmitteln gehören zum primären Sektor etwa auch Energieträger und Baustoffe. Es wäre die Entwicklung einer Wirtschaft im ursprünglichen Wortsinn, Werte schaffend. „Nicht weil es schwer ist, wagen wir es nicht, sondern weil wir es nicht wagen, ist es schwer.“ (Seneca)

Ein weiteres großes Energiesparpotenzial liegt im Heizbedarf für unserer Häuser. Auf diesem Gebiet wird bereits ein guter und äußerst ambitionierter Weg beschritten, nicht nur in Bremen. Denn seit 2002 gibt es eine Energieeinsparverordnung, die schon mehrfach verschärft wurde, und die den zulässigen Energieverbrauch neu zu errichtender Häuser drastisch gesenkt hat. Damit verbunden sind sowohl Gesetze als auch Anreize für die Einbindung erneuerbarer Energie. Tatsächlich gibt es einen „Nationalen Aktionsplan Energieeffizienz“, und als Teil davon eine „Energieeffizienzstrategie Gebäude“, der zufolge ein nahezu klimaneutraler Gebäudebestand bis 2050 angestrebt wird. Erreicht wird das u.a. durch anspruchsvolle Dämm-Maßnahmen, moderne Heizsysteme, Einbindung regenerativer Energien und eine energetische Gesamtplanung von Anfang an. Dadurch braucht zum Beispiel ein typisches Einfamilienhaus, das seit 30 Jahren steht, etwa die vierfache Menge an Energie zum Heizen gegenüber einem vergleichbaren Neubau – entsprechend hoch sind die Einsparpotenziale durch energetische Sanierungen. Hohe Förderungen für Energieberatungen und energetische Sanierung zu Energieeffizienzhäusern sorgen dafür, dass das ambitionierte Ziel erreicht werden kann.bremen gras
Die Erzeugung der für die Bremer nötigen Energie sollte aus ähnlichen Gründen wie bei der Versorgung mit Lebensmitteln soweit möglich in Bremen geschehen. Man überlege einmal wie viel Geld Jahr für Jahr aus Bremen abfließt, weil die Bremer von außerhalb Heizöl, Erdgas, Kohle etc. einkaufen müssen, allein um ihre Wohnungen und Wasser zu heizen. Würde das Geld in Bremen bleiben, würde es auch eher in Bremen ausgegeben und dort die heimische Wirtschaft stärken, die hiesige Lebensqualität anheben. Und es gibt Konzepte und Möglichkeiten, den kompletten Energiebedarf der Bremer – und mehr – durch heimische Produktion zu decken.
Schon ein gutes Stück weit bewährt und verbreitet ist die Nutzung von Sonnenenergie. Viele Hausdächer sind geeignet ausgerichtet und geneigt, um Photovoltaik-Module für Strom oder Sonnenkollektoren für warmes Wasser zu installieren. Das hilft Dach für Dach, und da ist noch viel Platz. Eine autarke Eigenversorgung mit Solarstrom und Solarwärme ist allerdings noch schwierig und kostenintensiv, vor allem nachträglich – aber möglich. Es gibt eine wachsende Zahl und Vielfalt an realisierten „Sonnenhäusern“, die sich so nennen dürfen, wenn sie 50 Prozent oder mehr ihres Energiebedarfes durch die Sonne decken. Für eine 100-prozentige, komplett autarke Deckung des Wärmebedarfes sind große, saisonale Wärmespeicher nötig, die in einem Einfamilienhaus typischerweise 40 Kubikmeter Wasser fassen und als dicke Säule in die Mitte des Hauses eingebaut werden. In Mehrfamilienhäusern sind die notwendigen Speicher zwar noch größer, aber auch effektiver, sodass der Aufwand pro Bewohner sinkt. Noch besser und sinnvoller ist die Errichtung von Großspeichern für ganze Wohnsiedlungen, die auch außerhalb der Häuser errichtet werden.
Solarstrom aus Photovoltaikanlagen wird heute in der Regel an das öffentliche Stromnetz angeschlossen und in beide Richtungen betrieben: Wenn die Sonne scheint, wird selbst verbraucht und nur der Überschuss ins Netz eingespeist, ansonsten wird Strom ganz normal aus dem Netz bezogen. Das hilft zwar auch, ist aber problematisch, weil Stromerzeugung und -verbrauch zeitlich gar nicht zusammen passen, und man dieses Dilemma einfach auslagert. Besser wäre es, den ganzen Strom, den man selbst verbraucht, auch vor Ort in Akkumulatoren zu speichern.
Windenergie spielt im flächenarmen Bremen selbst praktisch keine Rolle. Sinnvoll wäre aber, wenn sich Bremen einen „Platz im Wind“ sichern würde, also einen Anteil an Windenergie, der auf dem Meer erzeugt wird – mittlerweile ohnehin der beste Platz für Windkraftanlagen. Solche Anlagen haben einen deutlich höheren Energieerntefaktor als Photovoltaikanlagen, bezogen auf die zur Herstellung nötige Energie erzeugen sie in ihrem „Leben“ also deutlich mehr. Auf dem offenen Meer sind Stärke und Gleichmäßigkeit des Windes günstiger, nirgendwo sonst sind Störungen von Mensch und Umwelt geringer, und vor allem ist dort Platz für die gewaltigen Anlagen. Denn die Maschinen, die einmal klein und unauffällig in Gärten von Hobby-Tüftlern begonnen haben, sprengen inzwischen die 10-Megawatt-Marke pro Anlage und realisieren Rotor-Durchmesser von schier unglaublichen 200 Metern. bremen parkDamit kann eine komplette Kleinstadt wie Lilienthal mit Strom versorgt werden – rein rechnerisch. Denn es gibt ja auch hier immer das Speicherproblem: Windstrom wird nicht erzeugt, wenn er gebraucht wird, sondern wenn der Wind weht. Eine Lösung böte eine Infrastruktur für die „Power-to-gas“-Technologie, bei der der Strom mittels Elektrolyse Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff zerlegt, und das Gas als Energieträger gespeichert wird. Einerseits kann der gespeicherte Wasserstoff jederzeit und nach Bedarf in Brennstoffzellen wieder zu Wasser reagieren und dabei Strom abgeben. Er verträgt sich aber andererseits auch gut mit Erdgas und kann in bestehende Erdgasnetze eingespeist werden. Oder statt „liquid natural gas“, also verflüssigtes Erdgas (meist aus US-amerikanischer Fracking-Förderung), ließe sich der Offshore erzeugte und verflüssigte Wasserstoff als Energieträger nutzen. Die in Bremen mitentwickelten Weltraum-Raketen (Ariane) fliegen schon lange mit Wasserstoff und Sauerstoff. Erste Flugzeuge fliegen probehalber damit. Vor allem Schiffe sollten für den Antrieb ihrer Motoren Wasserstoff verwenden. Und natürlich gibt es auch Busse, Bahnen und Autos, die mit Wasserstoff fahren.
Wie es der Zufall will, hat Hamburg vor wenigen Tagen den Bau der weltgrößten Elektrolyse-Anlage zur Erzeugung von Wasserstoff aus Offshore-Windstrom beschlossen, um genau diesen Weg zu verfolgen!
Etwas verrückt klingt beim ersten Lesen vielleicht eine noch weiter gehende Zukunftsvision, die aus Bremen langfristig nicht nur ein energieautarkes Bundesland, sondern sogar einen Exporteur regenerativer Energie machen würde. Nebenbei bemerkt wäre das auch eine Finanzierungsquelle für Grundeinkommen in Bremen. Die Rede ist von einer Art Geothermie-Anlage, wie sie bisher noch nirgends gebaut wurde. Das geothermische Potenzial unter Bremen wurde in einer Studie der Bremer Energie Konsens GmbH schon vor Jahren als recht hoch bewertet und beträgt etwa 30 Grad Kelvin Temperaturanstieg pro 1000m Tiefe. Ist es in Bremen an der Oberfläche im Jahresmittel 10 Grad Celsius warm, so kann man in 3000 Metern Tiefe unter Bremen etwa 100 Grad Celsius erwarten. Für Zentralheizungen wäre das schon genug, und natürlich ließen sich auch geringere und größere Tiefen bzw. Temperaturbereiche erschließen. Leider wird diese überall verfügbare Energiequelle, die zudem Grundlast-tauglich ist, also ununterbrochen Energie abgibt, noch viel zu wenig und zaghaft erschlossen. Das liegt u.a. an den unangemessenen Verfahren mit denen die Nutzung versucht wird. Beide heute verbreiteten Verfahren haben große Nachteile. Das erste Verfahren ist das Anbohren von heißem Tiefenwasser – das es einerseits nicht überall gibt, andererseits einfach aus großer Tiefe entnommen wird, mit schwer abzuschätzenden Langzeitfolgen. Das zweite Verfahren ist das geothermische Fracking, bei dem zwei Löcher in einigem Abstand gebohrt werden und durch eine Bohrung Wasser unter enormem Druck in die Tiefe gepumpt wird. Der Druck dabei ist so gewaltig, dass der Felsen bricht und viele kleine Risse ausbildet, die sich unter anderem auch zur zweiten Bohrung erstrecken und so eine Heizstrecke für das hindurch gepumpte Wasser bilden. Soweit zumindest die Idee. In der Realität kann jedoch niemand garantieren, wohin sich die Risse ausbreiten, was Gefahren für das Grundwasser bedeutet. Auch Erdbeben hat es durch Anwendung dieser Methode schon gegeben. Langfristig negativ ist auch, dass das Gestein in der Tiefe durch die dauernde Strömung allmählich ausgewaschen wird und Hohlräume bildet, die früher oder später einbrechen. Wünschenswert wäre also, nur die Wärme zu nutzen, ohne Wasser in direkten Kontakt mit dem Tiefengestein zu bringen. Das funktioniert aber nur mit Wärmetauschern, und dafür bräuchte es Tunnel in der Tiefe, an denen sie angebracht werden. Klingt absurd? In Südafrika gibt es die Goldmine „Mponeng“, die mittlerweile über vier Kilometer tief unter die Erde reicht, und so den tiefsten Punkt der Erde bildet, an dem sich Menschen aufhalten können. Die Wände sind fast 70 Grad Celsius heiß und müssen gekühlt werden, damit die Arbeiter untertage nicht kollabieren. Im Umkehrschluss ist die Kühlung der Wände eine Heizung des Eiswassers, das durch die Rohre gepumpt wird. Es gibt so etwas also bereits.
Ein naheliegendes Design für Bremen wäre ein Spiraltunnel, der sich beliebig tief nach unten schraubt. In jeder gewünschten Höhe könnten strahlenförmig Tunnel in den Untergrund getrieben werden, an deren Wänden die Wärmetauscher angebracht werden, für die es lediglich noch eine Verbindungsbohrung für die Wasserleitungen nach oben braucht. Eine solche Anlage wäre beliebig ausbaubar und könnte Bremen nicht bloß energieautark machen sondern auch zum Verkäufer von sauberer Energie. Das wäre ein Weg zu kostenloser, erneuerbarer Energie für alle Bremer. Und wie schon Albert Einstein sagte: „Wenn eine Idee nicht zuerst absurd erscheint, taugt sie nichts.“

Soweit ein Abriss der Bremer Energie- und Klimaproblematik aus meiner Sicht und ein paar Gedanken dazu. Als Bündnis Grundeinkommen sollten wir uns zwar auf unser Kernthema konzentrieren, aber darüber auch nicht die Vernetzung zu angrenzenden Themen vergessen.

Michael Conrath

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