Gerecht statt Streams und Noten

von Uwe Bjorck

Viele Menschen regen sich über Ungleichheit auf. Und auch Regierungsparteien tun dies besonders kurz vor den Wahlen.
Doch behaupten diese Parteien auch, wenn alle Menschen ohne Rücksicht auf ihre Leistungen und Mühen gleich belohnt werden, verlieren die Begabteren und diejenigen, die härter arbeiten als andere, jeglichen Arbeitsanreiz. Dieser Gedanke schwebt wie ein Damoklesschwert über den Köpfen unserer Leistungsgesellschaft.

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Selbstverständlich sollen alle Menschen die gleichen Chancen haben, tönen alle etablierten Politikerinnen und Politiker voller Inbrunst. Aber gleichzeitig warnen sie vor einer positiven Diskriminierung. Warum sollten auf einmal Studenten mit geringerer Qualifikation zugelassen werden, nur weil sie aus schwierigen Verhältnissen stammen? Warum sollen wir eine Frauenquote einführen, wenn dadurch besser qualifizierte Männer das Nachsehen haben? Das sind die Fragen derjenigen, die aus unterschiedlichsten Gründen in ihre Ämter gehoben wurden. Eines hatten sie jedoch immer: Die Chance, das zu werden, was sie sind.
Ihre Fragen sollen uns dazu verleiten, bloß nicht an den Ergebnissen herumdoktern zu wollen. Eine zu große Chancengleichheit würde die Begabtesten und diejenigen, die sich am meisten anstrengen, bestrafen und unterdrücken. So die Behauptung.
Was wäre aber, wenn wir eine Quote hätten, die verlangte, dass bei gleichbleibender Produktivität und Kreativität mindesten ein Drittel aller Schüler*innen aus sozial benachteiligten Verhältnissen stammten?

Und doch ist Chancengleichheit der Ausgangspunkt für eine gerechte Gesellschaft. Sie allein genügt jedoch nicht.
Selbstverständlich sollten Einzelne für bessere Leistungen belohnt werden. Doch immer stellt sich die Frage, ob sie in ihrem Leben die gleichen Bedingungen vorfinden wie ihre Mitbewerber*innen.
Wenn ein Kind schlechte Schulnoten hat, weil es hungrig ist oder weil seine alleinerziehende Mutter Morgens schon in Hektik geraten muss, um alles unter einen Hut zu bringen, kann es sich meistens im Unterricht nicht so gut konzentrieren. Es kann sein, dass es im Mathematikunterricht deshalb viel mehr leisten muss, als das ausgeruhte Kind am Nebentisch. Hier kann man nicht sagen, es sei schlechter in der Schule, weil es nicht so begabt sei.
Hier helfen auch nicht die Streams des CDU Spitzenkandidaten und IT-Unternehmers Carsten Meyer Heder. Vor allem das Lernen und die Konzentration an Tablet und Notebook fordert ein ausgeruhtes Kind. Und nebenbei hilft es dem Lernen überhaupt nicht, wenn die Schülerinnen und Schüler an einem Stream sitzen, während von oben Wasser von maroden Decken tropft.
Und es helfen auch keine Schulnoten ab der dritten Klasse, wie Lencke Steiner von der FPD sie fordert und auch kein konsequentes Sitzenbleiben, wenn dadurch nur die Ungleichheit bewertet wird. Hier wird die von der FDP geforderte „weltbeste Bildung für Bremen“ bestenfalls zu einer Taktlosigkeit gegenüber den Kindern sowie zu einem kosmetischen Fehlgriff, der Bremen bestimmt nicht besser aussehen lassen wird.

Fairness kann es nur dann geben, wenn Kinder genug und Gesundes zu essen bekommen, wenn sie sich erholen, austoben und möglichst sorgenfrei aufwachsen können.
Solange es eine gewisse Ergebnisgleichheit nicht gibt (etwa dass die Einkommen der Eltern eine Teilhabe sichernde Höhe nicht unterschreiten), hat auch eine Chancengleichheit wie kostenlose Schulbildung nicht viel Sinn.
Ein Grundeinkommensexperiment, das schon von 1974 bis 1977 in Dauphin, Ontario, durchgeführt wurde, zeigt heute ganz deutlich, dass sehr viel mehr Schülerinnen und Schüler eine möglichst hohe Schulbildung anstrebten und auch abschlossen, als vor dem Experiment.
Sie gingen ausgeruht und ohne Hunger zum Unterricht. Sie selbst und ihre Eltern lebten sehr viel sorgenfreier. Und genau dies ist das Bildungssystem, das wir anstreben müssen. Streams machen nicht satt und Sorgen lösen sich nicht durch Sitzenbleiben auf.

Ein paar Fragen

von Uwe Bjorck

change-4039486_1920Ich habe da mal ein paar Fragen:
Als Charles Dickens auf das Elend der Kinder in England aufmerksam machte und sich die Menschen daraufhin gegen Kinderarbeit wandten, fragte da jemand nach den Kosten?

Als Emile Zola mit Les Miserables Massen dazu bewegte, etwas gegen die Armut zu tun, fragte da jemand, was es kosten würde?

Als John Steinbeck mit seinen Büchern Stürmische Ernte und vor allem Früchte des Zorns auf das Elend der Landarbeiter hinwies und dadurch politisch so viel bewegte, sagten dann die Stadtbewohner, nun werde bestimmt alles teurer?

Als Harriet Brecher Stowe mit Onkel Toms Hütte so viel für die Sklavenbefreiung tat, fragte man da nach einer Finanzierungsmöglichkeit?

Und als in Deutschland erst Die Weber und später Die Ratten von Gerhart Hauptmann uraufgeführt würden, gingen dann die Leute aus dem Theater, um sich zu Hause an den Rechenschieber zu setzen?

Fragte Emmeline Pankhurst erst Volkswirtschaftler, bevor sie das Frauenwahlrecht forderte, ob dies auch finanzierbar sei?

Wollen wir fragen, was uns gleicher Lohn für alle kostet oder das Recht auf eine gleichgeschlechtliche Ehe?

Sagte Martin Luther King: „I have a Dream“ oder sagte er „I have a Financing Option“?

Warum, frage ich, stellen sich so viele Menschen und unter ihnen eine so große Zahl Bedürftige heute die Frage nach der Finanzierbarkeit eines bedingungslosen Grundeinkommens, wenn es um die Emanzipation aller Menschen, also auch um ihre eigene Selbstbestimmtheit, Freiheit, Gleichberechtigung und Versorgung, geht?
Waren wir früher weniger kleinmütig oder gilt statt der Würde des Menschen heute das Bruttoinlandsprodukt als unantastbar?

Komm und wags mit uns

von Thomas Müller

„Jeder denkt: einer allein kann ja doch nichts machen.“ Dieser Ausspruch zeigt zum einen, wie sehr sich eine Mehrheit unterschätzen kann, und drückt zum anderen auch Frustration aus.

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Nichtwähler nennen oft dieses Argument: „Durch Wahlen ändert sich nichts.”

Warum scheint das so?

Es liegt nicht daran, dass gewählt wird, sondern dass die meisten Menschen aus verschiedenen Gründen immer wieder die gleiche Partei wählen. Diese Gründe können sein:

1. Sie denken nicht weiter darüber nach: „Ich habe als erstes ABC gewählt, und mache das heute immer noch so.”

2. Sie machen es aus Gewohnheit: „In unserer Familie haben wir schon immer ABC gewählt.”

3. Oder die Menschen fürchten nichts mehr als Veränderung, auch wenn sie zum Guten sein könnte: „Wer weiß, was danach kommt.”

Grundsätzlich gilt, das jede abgegebene und gültige Stimme zählt. Viele Nichtwähler sagen, dass ihre Stimme verloren geht, wenn die von ihnen gewählte Partei die 5%-Hürde nicht schafft.

Das stimmt insofern, dass die Sitze im Parlament nur unter den Parteien verteilt werden, welche die 5%-Hürde geschafft haben.

Aber woher soll man vor der Wahl wissen, ob nicht genügend andere Menschen auch die Partei wählen, die man selbst wählen würde?

Stellen wir uns einmal vor, dass die 50,2 % der Wahlberechtigten, die sich an der Bürgerschaftswahl 2015 nicht beteiligt haben, alle ein und dieselbe Partei gewählt hätten.

Gemäß der Mathematik der Sitzverteilung hätte diese „Partei der Nichtwähler” dann 47 Sitze in der Bürgerschaft bekommen. Das ist deutlich mehr als die absolute Mehrheit von 42 Sitzen.

Egal wie viele Prozentpunkte oberhalb der 5%-Hürde eine Partei erreicht, jede Partei mit Sitzen in der Bürgerschaft erhält die Aufmerksamkeit der Medien und der Öffentlichkeit. Und insbesondere diese Aufmerksamkeit ist es, die zum Beginn eines Wandels werden kann.

Bei dieser Bürgerschaftswahl könnt Ihr erstmalig für eine neue Gesellschaft stimmen, die durch ein Bedingungsloses Grundeinkommen alle(!) Menschen am Wohlstand dieses Landes beteiligt und die Schere zwischen Arm und Reich ein großes Stück weit wieder schließen wird.

Wer „Nein” sagen kann zu Niederigstlohnjobs und unbezahlten Überstunden, ohne die Gefahr der totalen Verarmung und Obdachlosigkeit im Nacken, der erhält seine Würde (zurück).

Liebe Wählerinnen und Wähler, die ihr von der aktuellen Politik frustriert seid, traut Euch doch einfach mal, eure fünf Kreuze bei einer anderen völlig neuen Partei zu machen als sonst.

Was habt ihr zu verlieren? Entweder bleibt alles beim alten oder es passiert was tolles besseres neues! Im Grunde könnt Ihr nur gewinnen…

Natürlich mit uns, der Partei „Bündnis Grundeinkommen”.

Take a chance on us – komm und wags mit uns”! 🙂

Wenn das Leben dir Zitronen schenkt…

Zitrone_1von Thomas Müller

Als aufstrebende Kleinpartei werden einem manche Steine in den Weg gelegt.
Zuerst muss man sogenannte Unterstützungsunterschriften sammeln. Während sich die bereits im Parlament sitzenden Parteien entspannt zurücklehnen können, müssen wir raus in die Welt und Passanten ansprechen, ob sie uns unterstützen wollen.
Dazu bräuchten wir bitte eine Unterschrift…

Und das mitten im Winter. Und dann in der heutigen Zeit, wo die Menschen im Internet auch ihre sensibelsten Daten raushauen wie Kamelle, aber im realen Leben gegenüber einer echten Person die Sorge um den Datenschutz ausleben.

Wenn dann hoffentlich und endlich genügend Unterschriften gesammelt sind, ist die Zitrone_2zweitgrößte Hürde genommen. Jetzt kann man eine kleine Party steigen lassen und die ersten Gläser Zitronenlimonade genießen, am besten gut geperlt.

Danach geht es an die größte Aufgabe, die 5%-Hürde. Also auf in den Wahlkampf.

Leider kommt nun der nächste und wohl mit Abstand größte Stein auf den Weg, die Geldfrage. Während die Parteien im Parlament von den Segnungen des Parteienfinanzierungsgesetzes und zahlreicher Parteispenden aller Art profitieren, sind wir als Kleinpartei knapp bei Kasse.

Zitrone_3Somit sind vor allem innovative Ideen und viel Eigenarbeit gefragt. Während die großen Parteien aus dem Parlament teure Plakatwerbung schalten können, basteln und malen wir.

Und in den wohlverdienten Arbeitspausen ist es dann ebenso Zeit wie verdient, die nächsten Gläschen Zitronenlimonade zu genießen, am besten gut gekühlt.

Dann kommt der Stein, den einen die Medien in den Weg legen. Während die Parteien aus dem Parlament ständig von den Medien interviewt, zu Zitrone_4Podiumsdiskussionen eingeladen oder sonstwie verwertet werden, sind WIR nicht eine Zeile wert.

Aber hier haben wir etwas Glück, denn wir leben in einer Zeit voller elektronischer Kommunikationswunder. Das Internet bietet uns eine Spielwiese, mit der wir eine gewisse Öffentlichkeit erreichen können. Ein echter Ersatz ist das nicht, aber immerhin reicht es für einen beruhigenden Schluck Zitronenlimonade, am besten gut gezuckert.

Und nach dieser Energietankpause heißt es für uns als Kleinpartei ganz besonders – und erneut – raus in die Welt.

Aber wie erzeugen wir denn jetzt die große Aufmerksamkeit, sodass Mann und Frau UNS wählen anstatt das, was sie schon immer gewählt haben oder neulich gewählt haben „aus Protest”?

Bleiben Sie bei uns hier am Ball und erfahren schon bald mehr…

Oder auf neudeutsch: stay tuned. 🙂

Altersarmut hautnah erlebt!

von Katja Maack

Das Thema ist im Augenblick so allgegenwärtig, dass mir diesbezüglich der Tag Ende Januar
bei der Tafel in Hemelingen wieder so richtig in den Sinn kam.
Wir waren dort zum Unterschriftensammeln und zur Essensausgabe.
Was mir dort draußen von den Menschen berichtet wurde, hatte mir eine Gänsehaut nach
der anderen bereitet.

Hemelingen-Wilkens-01

Eine ältere Dame, die aufgrund ihrer Erkrankung früher in Rente musste, ist auf die Tafel
angewiesen, weil es hinten und vorne nicht zum Leben reicht.
Sie muss mit größter Anstrengung eine Stunde mit ihrer Krücke nach Hemelingen fahren,
um was zu Essen zu bekommen.
Und sie war sehr klapprig auf den Beinen.
Dann eine weitere ältere Dame, die wegen Kindererziehungszeiten und des frühen Verlustes
ihres Mannes, ebenso wenig Geld hat.
Sie sagte: ”Das ist der Dank dafür, dass ich nach dem Krieg geholfen habe, die Stadt wieder
aufzubauen”.

Wie kann sowas in Deutschland passieren? So kann es nicht weiter gehen.
Das sind nur zwei Fälle, ich könnte noch mehr berichten, aber das würde hier den
Rahmen sprengen.
Macht am 26.05. eure Kreuze bitte an der richtigen Stelle und wählt das
Grundeinkommen Bremen (Liste 10)!
Damit so etwas ein für alle Mal ein Ende nimmt und jeder in Würde leben kann.
Denn das ist ein Menschenrecht! Wir alle haben nur dieses eine Leben!

Eure Katja

Unser Werbefilm zur Bürgerschaftswahl

 

Hier seht ihr unseren Wahlwerbefilm zur Bürgerschaftswahl 2019.
Und wenn wir Glück haben, demnächst in unseren Kinos 🙂

Falls für Dich das Grundeinkommen ein wichtiges Thema ist, dann kannst Du es wählen!
Du findest uns auf der Liste 10 bei der Bürgerschaftswahl 2019.